Memorium Nürnberger Prozesse

 

in short

Das Memorium Nürnberger Prozesse informiert am Originalschauplatz über Vorgeschichte, Verlauf und Nachwirkungen der Verfahren. Ausgewählte Objekte wie beispielsweise Teile der originalen Anklagebank oder historische Ton- und Filmdokumente vermitteln einen lebendigen Eindruck vom Prozessgeschehen.
Memorium Nürnberger Prozesse
© Museen der Stadt Nürnberg
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Memorium Nürnberger Prozesse

in detail

Geschichte
Nach den Reichsparteitagen der NSDAP und den menschenunwürdigen Rassengesetzen von 1935 sind es die Prozesse gegen führende Vertreter des NS-Regimes, denen die Stadt Nürnberg im 20. Jahrhundert ihren Namen gab.
Der Begriff "Nürnberger Prozesse" umfasst sowohl den sogenannten "Hauptkriegsverbrecherprozess", der vom 20. November 1945 bis zum 1. Oktober 1946 vor einem Internationalen Militärgerichtshof (IMG) stattfand als auch die 12 "Nachfolgeprozesse", in denen von 1946-49 führende Vertreter der deutschen Eliten (z.B. Ärzte, Juristen, Militärs) vor ausschließlich amerikanischen Gerichten angeklagt waren.

Der Internationale Militärgerichtshof (1945-1946)
Schon im Verlauf des Zweiten Weltkrieges beschlossen die Alliierten, die Hauptverantwortlichen der NS-Verbrechen vor Gericht zu stellen.
Nach der deutschen Kapitulation am 7./9. Mai 1945 einigten sich die Siegermächte USA, UdSSR, Großbritannien und Frankreich am 8. August 1945 in London auf die Einrichtung eines Internationalen Militärgerichtshofs (IMG). Damit hatte zum ersten Mal in der Geschichte ein internationales Gericht die Vollmacht, Verletzungen des Völkerrechts zu ahnden. Berlin wurde zum ständigen Sitz des Tribunals erklärt, in Nürnberg sollte das Verfahren gegen die sogenannten "Hauptkriegsverbrecher" stattfinden.

Die Nürnberger Nachfolgeprozesse (1946-1949)
Die Urteilsverkündung im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess bedeutete nicht das Ende der juristischen Verfolgung von NS-Verbrechen in Deutschland. Bereits im Dezember 1945 schufen die Alliieren mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 10 eine einheitliche Rechtsgrundlage zur Strafverfolgung von Kriegsverbrechen in den jeweiligen Besatzungszonen, das auch den sogenannten "Nürnberger Nachfolgeprozessen" zugrunde lag.
Im Gegensatz zum Hauptkriegsverbrecherprozess vor einem Internationalen Gerichtshof wurden diese zwischen 1946 und 1949 in Nürnberg abgehaltenen Verfahren ausschließlich vor US-Militärgerichten verhandelt. In insgesamt 12 Prozessen wurden 177 hochrangige Mediziner, Juristen, Industrielle, SS- und Polizeiführer, Militär, Beamte und Diplomaten angeklagt. Die Verfahren belegen, in welchem Ausmaß die deutsche Führungsschicht zum Machtsystem der NS-Gewaltherrschaft beigetragen hatte.
Von den 177 Angeklagten wurden 24 zum Tode verurteilt, 20 zu lebenslanger Haft und 98 zu teilweise langjährigen Freiheitsstrafen. 25 Angeklagte wurden freigesprochen. Durch Begnadigungen in den 1950er Jahren wurden viele der verurteilten NS-Verbrecher vorzeitig aus der Haft entlassen. Von den 24 Todesurteilen wurden 13 vollstreckt.

Erbe von Nürnberg

Neuartigkeit des Verfahrens
Der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess war in mehrfacher Hinsicht ein juristisches Novum: Erstmals saßen Staaten, die vollkommen unterschiedliche Regierungsformen und Verfassungen auswiesen, gemeinsam über einen besiegten Feind zu Gericht. Statt willkürlich Rache zu üben, wurde ein rechtstaatliches juristisches Verfahren angestrengt und erstmals in der Weltgeschichte wurden Individuen auf völkerrechtlicher Grundlage persönlich zur Rechenschaft gezogen.

Die Folgen von Nürnberg
Mit der Charta der Vereinten Nationen vom 26. Juni 1945 erfolgte der Versuch einer Sicherung des Weltfriedens durch ein internationales Völkerrecht. Der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess und das ihm zugrunde liegende Londoner Statut vom 8. August 1945 waren von fundamentaler Bedeutung für die Entwicklung eines Völkerstrafrechts und für seine Durchsetzung. So ist das in Nürnberg abgehaltene Internationale Militärtribunal nicht zuletzt Vorbild für die Errichtung des heutigen Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag.

Die Nürnberger Prinzipien
Am 11. Dezember 1946 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen auf ihrer ersten Tagung einstimmig eine Resolution, die "die Prinzipien des Völkerrechts, die vom Statut des Nürnberger Tribunals und vom Urteil dieses Tribunals anerkannt wurden", bestätigte. Vier Jahre später legte die Völkerrechtskommission der UNO sieben Prinzipien vor, die bei der Vorbereitung eines Kodexes der Verbrechen gegen den Frieden und die Sicherheit der Menschheit berücksichtigt werden sollten. Die Nürnberger Prinzipien waren nun nicht mehr nur auf die Verbrechen der Nationalsozialisten bezogen, sondern beanspruchten universale Gültigkeit.
  1. Jede Person, welche ein völkerrechtliches Verbrechen begeht, ist hierfür strafrechtlich verantwortlich.
  2. Auch wenn das Völkerrecht für ein völkerrechtliches Verbrechen keine Strafe androht, ist der Täter nach dem Völkerrecht strafbar.
  3. Auch Staatsoberhäupter und Regierungsmitglieder sind für von ihnen begangene völkerrechtliche Verbrechen nach dem Völkerrecht verantwortlich.
  4. Handeln auf höheren Befehl befreit nicht von völkerrechtlicher Verantwortlichkeit, sofern der Täter auch anders hätte handeln können.
  5. Jeder, der wegen eines völkerrechtlichen Verbrechens angeklagt ist, hat Anspruch auf ein ordnungsgemäßes Verfahren.
  6. Folgende Verbrechen sind als völkerrechtliche Verbrechen strafbar:
    1. Verbrechen gegen den Frieden,
    2. Kriegsverbrechen,
    3. Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
  7. Verschwörung zur Begehung der genannten Verbrechen stellt ebenfalls ein völkerrechtliches Verbrechen dar.

Memorium Nürnberger Prozesse
Der historische Ort

Vom 20. November 1945 bis zum 1. Oktober 1946 fand in Nürnberg der Hauptkriegsverbrecherprozess vor dem Internationalen Militärgerichtshof statt. Nach zähen Verhandlungen der Alliierten einigte man sich auf Berlin als ständigen Sitz des Gerichts, der erste Prozess sollte jedoch in Nürnberg stattfinden.
Für diese im August 1945 von den Alliierten auf der Londoner Konferenz getroffene Entscheidung gab es vor allem infrastrukturelle Gründe. Der kaum beschädigte Justizpalast an der Fürther Straße bot ausreichend Platz für das zahlreiche Personal aus vier Nationen. Das nördlich unmittelbar angrenzende Gefängnis vereinfachte die Unterbringung und den Schutz der Gefangenen. Nürnbergs historische Rolle als "Stadt der Reichsparteitage" und als Verkündungsort der "Rassengesetze" war zwar nicht für die Wahl als Gerichtsort ausschlaggebend, verlieh ihm aber eine besondere symbolische Bedeutung.
Von 1946-49 fanden am gleichen Ort zwölf Nachfolgeprozesse unter ausschließlich amerikanischer Leitung statt.
Admission
5,00 / 3,00 EUR
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keywords

history, european cultural history, Maß, Krieg, 20. Jahrhundert, Druck, Film, Industrie, Handel, Essen, nationalsozialismus, nürnberger prozesse, Verbrechen, Medizin, Polizei

Visitor entrance

Memorium Nürnberger Prozesse
Bärenschanzstraße 72
90429 Nuremberg
Germany
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Opening Times

Sun
10:00 - 18:00
Mon
10:00 - 18:00
Tue
-
Wed
10:00 - 18:00
Thu
10:00 - 18:00
Fri
10:00 - 18:00
Sat
10:00 - 18:00

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