Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände

 

in short

Das Dokumentationszentrum befindet sich in der unvollendet gebliebenen Kongresshalle auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. Die Ausstellung „Faszination und Gewalt“ befasst sich mit den Ursachen, Zusammenhängen und Folgen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Auf dem 4 km² großen Reichsparteitagsgelände geben Informationstafeln Aufschluss über die Historie des Standortes.
Eingang des Dokumentationszentrums
© Stefan Meyer
Logo: Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände

Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände

in detail

Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände

Noch heute zeugen auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände im Süden Nürnbergs gigantische Baureste vom Größenwahn des nationalsozialistischen Regimes. Auf elf Quadratkilometern sollte hier eine monumentale Kulisse für die Selbstinszenierung der NSDAP entstehen. Das ehemalige Reichsparteitagsgelände ist ein historischer Ort, für den es in Deutschland kaum Vergleichbares gibt.

Im Gegensatz zu den Gedenkstätten, die in früheren Konzentrationslagern, Gefängnissen u.ä. an den NS-Terror und damit an die Opfer der Gewaltherrschaft erinnern, ist das Areal im Südosten Nürnbergs ein Ort, der auf die Vereinnahmung eines ganzen Volkes abzielte. Hier feierte sich die Nazi-Bewegung selbst und präsentierte der Welt die Schauseite ihres Regimes. Begleitet von unverhohlener Einstimmung auf den Krieg wurde hier die Saat gesät, die an den vorgenannten Orten in furchtbarer Weise aufging.

Die historische Dimension dieses Ortes erfordert zwingend eine schlüssige Darstellung und Bewertung. Lange nach Kriegsende entstand mit dem Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände im Jahr 2001 endlich ein zeitgemäßes und umfangreiches Informationsangebot.


Nürnberg - "Stadt der Reichsparteitage"
Nürnberg war für die nationalsozialistische Bewegung schon in der Weimarer Republik ein "Traditionsort". 1923 hatte sie sich hier mit anderen rechtsextremen Gruppen zum "Deutschen Tag" getroffen. 1927 und 1929 hielten die Nationalsozialisten ihre so genannten Reichsparteitage zum ersten Mal im Luitpoldhain ab. Vor der 1929 fertig gestellten Ehrenhalle für die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs gedachten sie der getöteten Anhänger der NS-Bewegung.

1933 bestimmten die Nationalsozialisten Nürnberg zur "Stadt der Reichsparteitage". Sie konstruierten eine ideelle Verbindung zwischen der NS-Bewegung und der großen Vergangenheit der Reichsstadt Nürnberg, dem Ort der alten Kaiserherrlichkeit und der mittelalterlichen Reichstage.
Bis 1938 fanden alljährlich im September die Reichsparteitage der NSDAP statt. Die Veranstaltungen dauerten eine ganze Woche und brachten bis zu eine Million Menschen aus Deutschland nach Nürnberg. Im Mittelpunkt standen zahlreiche Appelle vor Adolf Hitler sowie Aufmärsche und Paraden aller bedeutenden Organisationen des NS-Staates auf dem Reichsparteitagsgelände und in der Altstadt.

Während des Reichsparteitages 1935 verkündeten die NS-Machthaber die antisemitischen "Nürnberger Gesetze": Sie stellten einen entscheidenden Schritt auf dem Weg der Verfolgung der Juden dar, der mit dem Holocaust endete.


Das Reichsparteitagsgelände

Gesamtanlage und einzelne Bauten des Reichsparteitagsgeländes dienten der nationalsozialistischen Machtdemonstration nach innen und außen. Mit ihren riesigen Dimensionen zielten Gelände und Architektur darauf ab, dem einzelnen Parteitagsbesucher die Teilhabe an etwas Großem und Bedeutendem zu suggerieren und ihm zugleich den Eindruck eigener Bedeutungslosigkeit zu vermitteln.

Alle Bauten verherrlichten die beiden Zentralmythen des "Dritten Reichs": den Führer-Mythos, der Hitler als von der "Vorhersehung" gesandten nationalen Erlöser erscheinen ließ, und den Mythos einer auf erhebenden Gemeinschaftserlebnissen und -gefühlen beruhenden "Volksgemeinschaft". Der geschickte Einsatz von Lichteffekten verstärkte noch die architektonische Botschaft der Parteitagsbauten. Eine nächtliche Lichtregie, darunter der so genannte Lichtdom, sollte ihnen ein weihevolles Aussehen verleihen und der gesamten Szenerie eine sakrale Atmosphäre geben.

Das Reichsparteitagsgelände war Teil eines großangelegten NS-Bauprogramms für das gesamte Reichsgebiet. Auf dessen konkrete Realisierung nahm Hitler als selbst ernannter "Oberster Bauherr" Deutschlands immer wieder direkten Einfluss. Für die geplanten NS-Bauten lieferten mehr als 280 Firmen Natursteine. Unter ihnen befanden sich ab 1940 auch die SS-eigenen Deutschen Erd- und Steinwerke (DEST). Konzentrationslager wie Flossenbürg, Mauthausen, Groß-Rosen und Natzweiler-Struthof wurden in der Nähe von Steinbrüchen errichtet. Dort und in den zugehörigen Steinmetzbetrieben beutete die DEST die Arbeitskraft der Häftlinge rücksichtslos aus.

Seit Mai 2006 bietet ein umfassendes Informationssystem auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände allen Besuchern die Möglichkeit, sich vor Ort mit den NS-Parteitagen auseinander zu setzen.


Die Dauerausstellung „Faszination und Gewalt“ im Dokumentationszentrum

Auf 1.300 m² befasst sich die Dauerausstellung "Faszination und Gewalt" im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände mit den Ursachen, Zusammenhängen und Folgen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Sie stellt die NS-Parteitage dar und erklärt die Faszination, die sie auf Teilnehmer und Besucher ausübten. Ebenso werden die Ereignisse erläutert, die mit dem Namen der Stadt Nürnberg und der NS-Zeit untrennbar in Zusammenhang stehen: Die Tätigkeit von Julius Streicher, der das antisemitische Hetzblatt "Der Stürmer" herausgab, die Verkündung der "Nürnberger Gesetze" im Jahre 1935 sowie die Nürnberger Prozesse nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Der Umgang mit der steinernen Hinterlassenschaft der Nationalsozialisten auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände seit 1945 steht am Ende der Ausstellung.

Mit Hilfe eines Audioguides (Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Französisch, Russisch und Polnisch), den jeder Besucher erhält, erklärt sich die Ausstellung selbst. Den Besucher erwartet ein narratives Vorgehen, neben den klassischen Ausstellungsmethoden wird auch mit modernen Präsentationsformen gearbeitet. Fünf neukonzipierte Filmpräsentationen sind wesentlicher Bestandteil des Ausstellungsrundgangs. Leicht zu bedienende elektronische Schaustationen zu unterschiedlichen Themen machen eine Fülle vertiefenden Bildmaterials zugänglich. Speziell aufgenommene Zeitzeugeninterviews sollen gerade der jungen Generation Geschichte näher bringen.

Seit 2004 stehen zusätzliche Flächen für Wechselausstellungen zur Verfügung. Neben der Dauerausstellung besitzt das angegliederte Studienforum zentrale Bedeutung für die pädagogische Arbeit des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände
Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
Admission
5,00 / 3,00 EUR
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Visitor entrance

Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
Bayernstraße 110
90478 Nuremberg
Germany
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09:00 - 18:00
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