Neupräsentation der Antikensammlung

permanent exhibition

in short

Die Skulpturen der Antike erstrahlen in neuem Licht und auch der Klassizismus hat nun seinen Bestimmungsort gefunden.
Der Mythos von Athena, Marsyas und Apoll, Römischer Marmorsarkophag, Ende 2. Jh. n. Chr., Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt
© Der Mythos von Athena, Marsyas und Apoll, Römischer Marmorsarkophag, Ende 2. Jh. n. Chr., Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt, Foto: Rühl & Bormann

Visitor entrance

Liebieghaus Skulpturensammlung
Schaumainkai 71
60596 Frankfurt am Main
Germany 

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Liebieghaus Skulpturensammlung

in detail

In der Neuaufstellung der Antike wird der ursprüngliche Zusammenhang von Skulptur und Aufstellungsort wieder hergestellt. So dominiert eine doppelte Scheintür die Raummitte der neuen Ägyptensammlung. Durch die axiale Ausrichtung der Skulpturen – darunter die berühmten Reliefs des Pharao Sahure und die Grabstatue des Userkaf – wird den ursprünglichen Konzepten ägyptischer Grabbauten entsprochen. Es entsteht eine besondere Spannung in den Raumbezügen. Die formale Strenge und die Jahrtausende währende Kraft der ägyptischen Jenseitskultur werden erfahrbar.

Die ägyptisch-pharaonisch geprägte Porträtstatue Alexander des Großen nimmt die Achse der Saaldurchgänge auf. Alexander blickt aus Ägypten über Griechenland bis in den großen römischen Raum. Die enorme kulturpolitische Bedeutung des Welteneroberers durchzieht das gesamte Konzept der Antikenabteilung des Liebieghauses und taucht in der kleinen Sammlung asiatischer Kunst wieder auf. Griechische Kultur ist als Folge seiner Politik in die buddhistische Kultur eingedrungen.

Die griechische Skulptur – die in einem eigenen Raum inszeniert und ganz entschieden von den späteren Reflexen in der römischen Kunst getrennt wird – ist in drei voneinander abgegrenzten Bereichen konzentriert. In einem Grabbezirk sind die Grabreliefs der Sammlung zusammengefasst und vermitteln den authentischen Eindruck der Grabkomplexe vor den Toren Athens. Die berühmten Frankfurter Musen sind auf einer gemeinsamen Basis in historischem Sinne gruppiert und verstärken so wechselseitig ihre ästhetische Ausdruckskraft. Ein geschlossener Bereich ermöglicht die Betrachtung der sukzessiven Veränderungen und aufregenden Neuerungen in der erfindungsreichen griechischen Kunst über fünf Jahrhunderte.

Der neue große Saal römischer Skulptur greift die Tatsache auf, dass in der Antike der öffentliche Raum zur Präsentation von Kunst genutzt wurde. Im Zentrum steht die exzellent erhaltene römische Wiederholung der berühmten myronischen Athena. Eine sensationelle Neuerwerbung bereichert dieses Hauptwerk des Liebieghauses in ungemein lebendiger Weise. Der bekannte (schon von Renaissancekünstlern studierte und gezeichnete) Alberici-Sarkophag erzählt den Mythos der Göttin Athena.

In den intimeren Räumen der Sammlung begegnet der Besucher künftig einer strengen, auch chronologisch konsequent aufgestellten Reihe römischer Porträts. Darunter die bedeutende Neuerwerbung der sogenannten Octavia aus der Sammlung W. von Bergen. Die Schwester des großen ersten römischen Kaisers kann nun direkt neben Augustus zur Aufstellung kommen. Der großartige Porträtkopf des Marc Aurel ist neben dem Bildnis seiner Frau Faustina aufgestellt. Die Porträtgalerie wird von zwei eindrucksvollen, jedoch kopflosen Marmorstatuen abgeschlossen. Die tiefen Bohrungen im Hals weisen darauf hin, dass hier eigens gearbeitete Porträtköpfe eingesetzt waren.

Die Rotunde des Liebieghauses nimmt künftig die einzigartige Marmorstatue des antretenden Diskobols auf und feiert – als Höhepunkt des Rundgangs – das idealisierte klassische Bild des männlichen Körpers. Die hervorragende Statue greift durch die Kreisbewegung des Diskuswurfes, aber auch in der Form des Sportgeräts selbst den eindrücklichen architektonischen Charakter des Rundraums auf.

Der römische Grabkult bestimmt die Aufstellung der letzten Raumabschnitte. Die schönen gemalten Mumienporträts aus dem römischen Ägypten schaffen ein lebendiges Pendant zu den Marmorreliefs der spätantiken Sarkophage. Ein Kindersarkophag zeigt den Triumph des Weingottes Dionysos, der großartige Meleager-Sarkophag der Liebieghaus-Sammlung stellt den abschließenden Höhepunkt dar, während ein spätantikes, bereits christliches Sarkophagrelief, das verschiedene biblische Szenen miteinander verbindet, hinüber in das erste frühmittelalterliche Kabinett vermittelt. 

Der Marsyas-Sarkophag "Alberici"
Eine sensationelle Neuerwerbung der Antikensammlung anlässlich des 100-jährigen Jubiläums stellt der Marsyas-Sarkophag "Alberici" oder Alberici-Sarkophag dar. Er erzählt den gesamten Mythos der Göttin Athena, die die Doppelflöte erfindet, diese aber fortwirft, als sie erkennt, dass durch das Flötenspiel ihr Gesicht verunstaltet wird. Der Satyr Marsyas entdeckt dieses Instrument, lernt schöner als Apoll selbst zu spielen und wird so Opfer des göttlichen Neides. Aus Rache lässt Apoll Marsyas an einen Baum binden und bei lebendigem Leib häuten. Der rund zwei Meter lange marmorne Marsyas-Sarkophag gehört zu den bekanntesten antiken römischen Sarkophagen und entstand im auslaufenden 2. Jahrhundert nach Chr. in einer römischen Werkstatt. Der manieristische Stil nach dem sogenannten "spätantoninischen Stilwandel" bringt die Dramatik des dargestellten Vorgangs figurenreich und vorzüglich zum Ausdruck. Der Sarkophag gilt als eines der besten Werke dieser künstlerisch besonders einfallsreichen und qualitativen Entwicklungsphase der römischen Kunst.

Der Sarkophag war bereits in der frühen Renaissance bekannt. Er wurde gegen 1550 vom Anonymus Coburgensis gezeichnet (fol. 10 des "Codex Coburgensis", der heute in der Veste Coburg aufbewahrt wird). Im 16. Jahrhundert befand sich der Sarkophag nach Aussage des "Census of Antique Works of Art and Architecture Known to the Renaissance" für kurze Zeit in der römischen Kirche SS. Cosma e Damiano, wechselte später in den Palazzo Altobelli-Zinsler, bevor er schließlich 1904 durch die Vermittlung des Händlers A. Alberici seinen Weg in eine englische Privatsammlung (Hever Castle, Kent) fand. 1983 wurden Bestände der Sammlung Hever Castle von Sotheby’s in London angeboten und versteigert. Seitdem befand er sich in Privatbesitz.

Der Marsyas-Sarkophag stellt sowohl in kunsthistorischer als auch in didaktischer Hinsicht eine überaus bedeutende Erweiterung der Antikensammlung im Liebieghaus dar. Als das Liebieghaus vor 100 Jahren gegründet wurde, gelang mithilfe der Frankfurter Bürgerschaft der spektakuläre Ankauf einer der berühmtesten antiken Statuen, der Athena des Myron. Diese Figur war ursprünglich Bestandteil einer Skulpturengruppe, die Athena zeigte, wie sie gerade ihre Doppelflöten fortwirft und diese vom Silen Marsyas entdeckt werden. Der Marsyas-Sarkophag, der vom Städelschen Museums-Verein mithilfe der Kulturstiftung der Länder und der Stadt Frankfurt aus Mitteln der Stiftung Kober erworben wurde, ergänzt die Statue der Athena inhaltlich somit auf hervorragende Weise.

Sammlungsleiter Antikensammlung: Prof. Dr. Vinzenz Brinkmann
Admission
7,00/5,00 EUR/0-11y free of charge
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10:00 - 18:00
Mon
-
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10:00 - 18:00
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10:00 - 21:00
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10:00 - 21:00
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